zurück: Die Geschichte des Mataré-Gymnasiums - Teil 1 bis 4


Biografie von Ewald Mataré

Unsere Schule trägt den Namen des Bildhauers Ewald Mataré. Einzig eine Tafel am Eingang unserer Schule weist auf eine Namensverbindung hin, sein Wirken jedoch wird beim Ansehen der Schule nicht sichtbar.Tilo Troendle, Kunstlehrer und Vorsitzener der Fachschaft Kunst, mahnte immer wieder das Gesicht unserer Schule an. Matarés Adler im Innenhof - kaum beachtet fristet er ein Schattendasein macht weder dem Bauherren noch der Schule besondere Ehre. Er wollte ein wenig mehr "Kunst am Bau". So wuchs insbesondere durch Herrn Troendles Initiative im Laufe der Jahre eine Vielzahl künstlerischer Projekte und Ausgestaltungen,die das Grau des funktionalen Baues mit Farbtupfern und kreativen Einfällen aufhellen. Tritt man näher an das Gebäude heran, so fallen einem sofort das Relief an der Eingangsüberdachung,der 1989 angebrachte Fries an der Stirnseite des Vordaches und der mit Reliefs aus Gas-Beton verzierte Entlüftungsschacht auf. ("Kunst am Mataré", mehr darüber in den Angebotssparten.) Nun zurück zu Ewald Mataré. Hier eine Biographie:

1887

Am 25.Februar kommt Ewald Wilhelm Hubert Mataré in Aachen-Burtscheid als jüngster von drei Söhnen des Franz Joseph Mataré (18851-1922) und seiner Frau Elisabeth Mataré (1853-1939), gebohrende Dohlen, zur Welt. Die seit 1798 in Aachen ansässige Familie stammt ursprünglich aus der katholischen Hafenstdt Materó bei Barcelona und gelangt unter Karl V. in die katholischen südlichen Niederlande, wo sie Ende des 17. Jahrhunderts in den Grenzort Bardenberg bei Aachen übersiedelt. Als Bauern, Gastwirte und Baumeister finden sich seit 1700 erste Eintragungen in den Bardenberger Kirchenbüchern.

1893

Durch den Besuch des "Staatlichen Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums" erhält Mataré eine humanistisch geprägte Bildung.

1897

Seine Mutter schenkt dem 10-Jährigen Mataré zu Weihnachten eine Werkbank, die den Anstoß zum praktischen Arbeiten gibt.

1902-07

Zur schulischen Leistung wenig aufgeschlossen, wechselt er auf das Städische Realgymnansium Aachen. Kurz darauf erhält er Privatuntericht bei Prof.Karl Krauß(1859-1906), der bis 1906 als Dozent für Modellieren und Bossieren an der Technischen Hochschule Aachen tätig ist.

1906

Nach der Obertertia verläßt Mataré die Schule, um seiner künstlerischen Neigung nachzugehen. Die Mutter Elisabeth ist es auch, die den Wunsch Ewalds, sich zum Künstler auszubilden, durchsetzt und finanziell unterstützt.

1907

Wechsel zur Malereiausbildung bei Prof.J.Ehrentraut(geb.1841) an die Akademie der Bildenen Künste nach Berlin.

1914

Schüler bei Lovis Corinth(1858-1925), dessen Atelier er aber bereits nach einem halben Jahr wieder verläßt. Mataré erhält die Siberne Medaille der Akademie.

1915

Meisterschüler bei Historienmaler Kampf. Er ist jedoch schon innerlich vom Einfluß seiner Lehrer gelöst.

1917

Nachdem er 1916 als "unbrauchbar" aus der Armee ausgestoßen wird, verbringt Mataré 1917 den Sommer in Alt Gaarz wo er sich wieder der Freilichtmalerei zuwendet (Freilichtmalerei wurde im damals von der Militärpolizei verboten.) Es entstanden Tierzeichnungen, wobei er keine Kopie oder Naturbeschreibung anstrebt, sondern die Wiedergabe des Erlebnisses.

1918

Mataré wird Mitglied der Novembergruppe. Sie vertreten den radikalen Expressionismus.

1919

Erste private Aufträge. Es handelt sich zum größten Teil um Aufträge betreffend der Denkmäler der Gefallenden des ersten Weltkrieges.

1920

Er erhält eine Einladung des Architekten H.Franzius aus Düsseldorf, ihn mit seinem Studienkollegen G.Làtk auf die Insel Wangerooge zubegleiten. Dort fertigt Mataré über hundert Arbeiten aus Strandgutbrettern. Er beschäftigt sich sehr intensiv mit Hildenbrands "Problem der Form in der bildenen Kunst".

1922

Starke seelische Depressionen treiben Mataré fast zum Selbstmord. Dennoch zwingt er sich zum Arbeiten. Er wendet sich erstmals der freien Plastik zu. Im gleichen Jahr heiratet er die 31jährige H.Hasenbäumer.

1925

Reise nach Paris. Studienreise quer durch Deutschland nach Italien. Seine spezielle Aufmerksamkeit gilt Giotto. Die sakrale Komponente, die Mataré im Werk Giottos analysiert, beeinflußt die Grundkonzeption seiner späteren sakralen Arbeiten.

1926

Am 9.August Wird seine Tochter Sonja Beatrice in Aachen geboren.

1927

Reisen nach Paris, Dänemark und in das Sauerland. Größerer Auftrag durch Dr.E.Senff-Erneuerung Fensterleibug. Mataré wählt Variationen von liegenden und stehenden Kühen.

1929

Er arbeitet in Toila/Estland. Er schreibt einen Aufsatz unter dem Thema: Neben der Arbeit, Grafiken sollen als Erzählungen fungieren. Ohne Erfolg.

1932

Reise nach London. Beginn als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Von nun an lebt er in Büderich.

1933

Unterdrückung des deutschen moderen Kulturlebens durch den KfdK (Kampfbund für deutsche Kultur). Nach nur sieben Monaten Amtszeit wird Mataré aufgrund der Hetzjagd gegen die Moderne vom Amt mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Inmitten dieser Zeit der Umwälzungen resigniert er jedoch nicht, sondern zieht sich während seiner fortgesetzten Reisezeit in die Natur zurück, um zu arbeiten. Das Berufsverbot bedeutet natürlich auch das Ausbleiben von öffentlichen Aufträgen.

1934

Ein größerer Auftrag: "Tote Krieger", ein Kriegerdenkmal in der Stadt Kleve. Das Ehrenmahl wird jedoch vier Jahre später entfernt.

1937

Verschärfung der NS-Kulturpolitik. "Verfallskunst" wird aus dem öffentlichen Besitz entfernt.

1938

Mataré steckt in einem Auftragstief. Doch Kirchenaufträge bringen ihm neue Arbeit.

1942/43

Während eines Aufenthaltes im Kloster Eberbach beschäftigt er sich sehr mit dem Thema "Kuh". Durch den Krieg wird es ihm immer unmöglicher, seinen Arbeiten in Büderich nachzugehen. Die Angst vor Zerstörung plagt ihn mehr als die vor Diebstahl. Deshalb verpackt er seine Arbeiten der letzten Jahre in Kisten und verstaut sie in dem Luftschutzbunker unter seinem Atelier. 1943 muß er sich einer Ärztlichen Untersuchung in Bezug auf seine Kriegstauglichkeit unterziehen. Wegen Herzschwäche spricht man ihn frei. Das Hagener Ehepaar Becker kauft einige Werke Matarés. Diese gelangen durch den Tod des Ehepaars in die Hände der Stadt Hagen.

1945

Deprimiert über die Kriegsauswirkungen flieht Mataré 1944 aus dem Düsseldorfer Raum nach Kripp, später in das Kloster Eberbach. Der Krieg ist zu Ende und Mataré kehrt mit seiner Familie nach Büderich zurück. Direkt wird er als Direktor an der Düsseldorfer Kunstakademie berufen. Doch sehr schnell muß er erfahren, daß seine Vorstellungen eines grundsätzlichen Neubeginns der Akademie mit politisch unbelasteten Professoren und einem reformierten, auf teils handwerklichen Grundlagen beruhenden Studiengang, bei dem sich die Person des Studenten in geistiger und künstlerischer Hinsicht entwickeln sollten,den politisch Verantwortlichen nicht genehm wahr. Er verzichtet auf den Direktorposten und übernimmt als Professor Klassen.

1946

Er verlegt seine Tätigkeit in sein Atlier nach Büderich wo er ein sehr gutes Meister-Schülerverhältnis pflegt. Durch strenge handwerkliche Arbeit, die immer vom Bemühen um geistige Durchdringung begleitet ist, wird die Grundlage zur eigenen Entwicklung des Schülers geschaffen. Wichtig dabei ist die gemeinsame Tätigkeit der Schüler. Ein Ziel ist es,sich zu finden, kein heranzüchten vom Nachamern, sondern das Entwickeln eines eigenen Weges.

1947

Während dieser frühen Nachkriegszeit erkennt man Mataré als überragende künstlerische Personlichkeit unter den rheinisch und westfälischen Bildhauern und widmet ihm gleich mehrere Ausstellungen in Köln.

1947-54

Die Nachkriegszeit und die folgenden Jahre spinnen Mataré ganz in die Aufbauphase des wiederentstehenden Deutschlands ein. Die Bundesregierung sowie die Landesregierung NRW vergeben zahlreiche offizielle Aufträge an ihn, und auch von kirchlicher Seite bedrängt man ihn mit immer neuen Projekten. Die Aufträge,die ihn von der Aufgabe und vom Thema her interessieren und die sein Alterswerk prägen, erweisen sich als hinderlich für seine eigene freie Arbeit.

1965

Mitten aus einem aktiven Künstlerleben herausgerissen, stirbt Ewald Mataré an einer Lungenembolie.

Auszeichnungen

1952 Mataré wird mit dem Thorn-Prikker-Preis der Stadt Krefeld ausgezeichnet.

1953 Großer Kunstpreis des Landes NRW.

1955 Mataré erhält die Goldene Medaille der Triennale in Mailand.

1957 Verleihung der Stefan-Locher-Medaille der Stadt Köln.

1958 Als Höhepunkt ehrt man das Schaffen Matarés mit dem Großen Verdienstkreuz der BRD.

Arbeiten

1955-1962 Mataré ist für die Innenausstattung der Rochuskirche in Düsseldorf zuständig.

1958-1965 Er ist am Haus"Em Hannen"in Köln beschäftigt.

1963-1965 Innenaussattung des Kapellenneubaus in Bad Honnef

1964 Mataré Ausstellung in Amsterdam und Enschede als letzte große Präsentation zu Lebzeiten des Künstlers.

In den 30 Jahren des Bestehens unserer Schule hat Herr Troendle mit seiner Kunst AG Anregungen und Denkanstöße entwickelt, die den Vorstellungen Matarés nahekommen. Die Schule schmückt sich jetzt endlich zurecht mit seinem Namen.